Venture Capital-Investitionen in junge, technologieorientierte und innovative Start-ups mit hohem Wachstumspotential erfreuen sich einer noch nie dagewesenen Beliebtheit. Aufgrund hoher Investitionssummen und des damit verbundenen Risikos besteht bei Investoren ein besonderes Bedürfnis, sich mit vertraglichen Regelungen abzusichern.

Wenn ein Gründer vorzeitig ausscheidet

Vestingvereinbarungen werden regelmäßig in die Verträge zwischen Gründern und Investoren aufgenommen. Investoren stellen so sicher, dass die Gründer motiviert werden, auch nach der Investition langfristig dem Unternehmen anzugehören und ihre Arbeitskraft in das Start-up einzubringen. Sollte ein Gründer vorzeitig ausscheiden, wird er durch eine Vestingvereinbarung verpflichtet, einen gewissen Anteil seiner Beteiligung auf die übrigen Gesellschafter zu übertragen. Anderenfalls wird dieser – wie zumeist vorgesehen – den Investoren zu einem Abfindungsbetrag, der niedriger ist als der Verkehrswert oder auch zum Nominale, übertragen. Der Anteil, den ein Gründer bei seinem Ausscheiden übertragen muss (sog. Vesting Share), hängt vom Zeitpunkt seines Ausscheidens ab und verringert sich regelmäßig durch Zeitablauf (regelmäßig über einen Zeitraum von 3 bis 5 Jahren).

Die Unterschiede zwischen Good Leaver & Bad Leaver

Hinsichtlich der Höhe der Abfindung, die ein Gründer für den abzutretenden Anteil erhält, wird regelmäßig zwischen Good Leaver- und Bad Leaver-Gründen unterschieden. Der Gründer ist meist dann ein Good Leaver, wenn er aus wichtigem Grund sein Arbeitsverhältnis beendet (etwa wenn der Gründer aufgrund einer schweren Krankheit nicht mehr in der Lage ist, die Arbeit für das Unternehmen fortzusetzen). In diesen Good Leaver-Fällen erhält der ausscheidende Gründer regelmäßig den Verkehrswert der abzutretenden Beteiligung. Davon zu differenzieren sind Situationen, die den Gründer nicht dazu berechtigen, die Tätigkeit für das Unternehmen einzustellen. Darunter versteht man zB die Kündigung des Arbeitsverhältnisses ohne wichtigen Grund. In derartigen, besonders begründeten Bad Leaver-Fällen wird regelmäßig eine Abfindung bloß zum Nominale vorgesehen.

Interessensausgleich zwischen Gründer und Investoren

Vestingvereinbarungen sind regelmäßiger Bestandteil des gesamten Vertragswerks einer Venture Capital-Finanzierungsrunde. Eine Zulässigkeitsprüfung hat somit immer auch in Anbetracht sämtlicher Regelungen der Finanzierungsrunde zu erfolgen. Durch die Normierung von Vestingvereinbarungen wird im Regelfall ein angemessener Interessenausgleich zwischen den Gründern und den Investoren geschaffen, weshalb typische Ausgestaltungen derartiger Regelungen auch rechtlich zulässig sein sollten. Klärende höchstgerichtliche Rechtsprechung durch den OGH zur Frage der Zulässigkeitsgrenzen von Vestingvereinbarungen bleibt jedoch weiterhin abzuwarten.

Ein Beitrag von Markus Arzt und Florian Vidreis.