Starten ohne Fehlstart

Das Wiener Anwaltsbüro Brandl & Talos steht Start-ups zur Seite, zum Beispiel der Gaming-Plattform pwnwin.

Fast wäre Bernhard Eder schon an der Gründung seines Start-ups pwnwin gescheitert. Denn keine Bank wollte dem Mondseer Unternehmen auch nur ein Geschäftskonto gewähren. Ein Freund brachte Eder auf die Idee, dass in Online-Games doch nicht nur um Punkte oder Sachpreise, sondern auch um Geld gespielt werden könnte. Eder, der ursprünglich mit Computerspielen nichts am Hut hatte, sah darin eine Geschäftsidee, die er gemeinsam mit Roman Knoblechner realisieren wollte. Und dann gab´s nicht mal ein Konto. Ein Tipp aus dem Start-up-Umfeld brachte die Gründer mit der Wiener Kanzlei Brandl & Talos zusammen, die sich bereits seit ihrer Gründung auf junge Unternehmen spezialisiert und etwa bwin von den Anfängen bis zu Ihrer Übernahme begleitet hatte. Ein Rechtsgutachten später hatte pwnwin nicht nur ein Konto bei einer Wiener Bank, sondern auch Rechtsprofis an seiner Seite. „Die Banken hatten uns als Glücksspielanbieter eingestuft und wollten sich nicht die Finger verbrennen. Mit dem Gutachten konnten wir belegen, dass es bei uns nur um Geschicklichkeit, nicht um Glück geht“, sagt Bernhard Eder.

Mittlerweile ist pwnwin neben vier anderen Start-ups auch Teil des vergangenen Monats von der Kanzlei ins Leben gerufenem Start-up-Förderprogramm „BTP Nährboden“, das von Partner Roman Rericha und Rechtsanwaltsanwärter Markus Arzt betreut wird. Freilich kann sich jedes Jungunternehmen an die Kanzlei wenden, um rechtlichen Beistand in Anspruch zu nehmen. „In unser BTP Nährboden- Programm schaffen es aber nur jene Gründer, die wir für besonders innovativ und erfolgsversprechend halten“, sagt Rericha. Und die kommen aus durchwegs unterschiedlichen Branchen. So bietet ready2order eine kostengünstige Software an, die das Smartphone zur Registrierkasse macht, Stabylizr entwickelt einen kompakten und leichten Stabilisierer für Action- und Bodycams und gleam technologies feilt an neuen Mobilitätskonzepten für den urbanen Raum, wie es zum Beispiel ein elektrisches Transportdreirad darstellt.

Gezielte Förderung. Im BTP Nährboden-Programm können Start-ups auf eine umfassende Hilfestellung zählen. Und das zu einem wesentlich geringeren Honorar als üblich. Den Unternehmen steht man nicht nur mit Rechtsberatung zur Seite, sondern sie können auch auf das Netzwerk der Kanzlei zurückgreifen. Steuerberatung, PR und Kooperationen sind ebenfalls Teil des Pakets. An erster Stelle steht dennoch zunächst einmal die Rechtssicherheit bei der Neugründung. Denn gerade in juristischen Fragen ginge in der Gründungsphase oft einiges schief, weiß Rericha. Er gliedert die Entwicklung eines Start-ups in drei Phasen: Erkunden, Etablieren und Expandieren.
In der ersten Phase, in der die Geschäftsidee nach und nach Form annimmt, geht es vor allem darum diese zu schützen, die passende Rechtsform für das Unternehmen zu finden und die Zusammenarbeit der Gründer zu definieren. „Da werden, oftmals ohne rechtliche Beratung, Unternehmensanteile aufgeteilt und kurze Zeit später stellen die Jungunternehmer fest, dass die selbst erarbeiteten Regelungen doch nicht so funktionieren wie gedacht. Ein Streit ist vorprogammiert. Kommt es in Anschluss zum Ausstieg von Leuten, die hohe Anteile halten, ist der Fortgang des Unternehmensstark eingeschränkt“, beschreibt Rericha ein gängiges Szenario.

Startet das operative Geschäft, stehen andere Themen im Fokus, etwa wie sich Mitarbeiter ans Unternehmen binden lassen. Geld ist Mangelware, Beteiligungen am Unternehmen sind eine beliebte Kompensation,um Talente zu halten. Doch auch hier lauern rechtliche Fallstricke, die es zu umgehen gilt. Wie man Verträge für Mitarbeiter, Lieferanten und zur Anmietung des Büros richtig aufsetzt, steht hier im Vordergrund. In Phase drei geht es dann ans Eingemachte, schließlich muss Kapital beschafft werden, Investoren müssen mit an Bord genommen und es muss expandiert werden. Fragen, mit denen sich derzeit auch pwnwin herumschlagen muss. Vor vier Monaten ging die Webplattform pwnwin.com online, seitdem spielen rund 40.000 Gamer gegeneinander „League of Legends“. Das Prinzip der Plattform ist simpel. Nach der Registrierung auf der Website können die Spieler ihren Einsatz bekannt geben und gegeneinander antreten. Nach Ende der Partie kann auf Ergebnisse und Usernamen zugegriffen werden und der Einsatz wird direkt an die Gewinner ausgezahlt. Pwnwin behält eine Vemittlungsgebühr von 12,5 Prozent. Erste Unternehmen sponsern bereits Sachpreise, „für die Werbewirtschaft sind wir aber erst ab 200.000 bis 300.000 aktiven Gamern interessant“, weiß Eder. Diese Marke will man – zumindest in punkto Registrierung – im Idealfall bereits Ende des Jahres knacken. Demnächst kommen auch noch die beiden Spiele „Dota2“ und „Hearthstone“ dazu. Allerdings ist das Unternehmen dabei auf die Kooperation der Spielehersteller angewiesen. „Ändern sich die Geschäftsbedingungen, kann es passieren, dass ein Spiel nicht mehr gespielt werden kann.“ Dafür, dass das für das Unternehmen nicht zum Glücksspiel wird, sorgen freilich im Hintergrund die Spezialisten von BTP Nährboden.

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